Daumen drücken für Jarlingen und Ahrsen

Die Dörfer in der Gemeinde Bomlitz haben ihren eigenen Charakter und ihre eigene Dorfgemeinschaft. Jarlingen und Ahrsen nehmen nun am landesweiten Wettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" teil. Der Wettbewerb "will die sozialen und strukturellen Entwicklungen in den Dörfern unterstützen und hat das Ziel, die Menschen in den Dörfern zu motivieren, eigeninitiativ zur Verbesserung der Lebensverhältnisse beizutragen und diese für die nachfolgenden Generationen zu sichern", wie es auf der Website heißt.

Walsroder Zeitung vom 18.06.2015: 365 Tage Dorfleben in 90 Minuten. Ortschaften Jarlingen und Ahrsen stellen sich zweiter Runde im Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.

Nicht mit Pauken und Trompeten, aber mit traditionellen Jagdhörnern der Bläsergruppe des Hegerings Löverschen wurde die Kommission des Vorentscheids für den 25. Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ auf dem Baitgershof in Jarlingen begrüßt. Die insgesamt acht Jurymitglieder waren am Dienstagmorgen zur Bewertung angereist, ausgestattet mit Bewertungsbögen, Fotoapparat und einem genauen Blick auf die Uhr.

Für Jarlingen und Ahrsen ging es um die Teilnahme am Landeswettbewerb und darum, zu beweisen, dass der kleine Dorfverbund mit stetig steigender Einwohnerzahl und gut 60 Prozent Erwerbstätigen es wert ist, gefördert zu werden und dass er Wege Richtung Zukunft ebnet. Für dieses Vorhaben haben sich die Einwohner und der Ortsvorsteher ins Zeug gelegt. Ganz nach dem Motto „Eine Busfahrt, die ist schön“ ging es quer durch die zwei Dörfer, vorbei an wichtigen Punkten wie dem Meyerhof, dem alten Bahnhofsgebäude, dem Friedhof plus Kapelle, dem Feuerwehrgebäude, das seit 2003 von beiden Ortswehren gemeinsam genutzt wird, dem alten Schulgebäude und vor allem entlang von Wald und Wiesen und der Warnau. Wer dachte, in 90 Minuten ließe sich nicht beweisen, wie vielfältig und strukturstark ein Dorf sein kann, der wurde an diesem Morgen eines Besseren belehrt.

Das Konzept war gut durchdacht, denn neben geschichtlichen Informationen – 60 Prozent der Häuser in Jarlingen waren nach Kriegsende zerstört – kamen auch persönliche Eindrücke nicht zu kurz. „Die Dörfer Jarlingen und Ahrsen sind zwar auf dem Papier durch eine Grenze getrennt, werden von uns aber de facto als ein Dorf empfunden“, so Ortsvorsteher Ulrich Brandt, der die Besichtigung moderierte und den Anspruch hatte, mit der Bustour 365 Tage Dorfleben zu präsentieren. Auch wurde an drei Betrieben, die die Entwicklungsfähigkeit der Dorflage verdeutlichen sollten, Halt gemacht. Als Erster stellte Albrecht Brammer seinen Saatbetrieb vor. Er exportiert vom beschaulichen Jarlingen aus Saatgut nach Japan, Russland, in die USA und nach Südamerika. „Neb enb ei“ bewirtschaftet er mit seinen Mitarbeitern noch 560 Hektar Ackerfläche. Auch der für Reitbetrieb und Pferdezucht bekannte Wiechmannshof in Ahrsen trug zum Eindruck einer gut etablierten Wirtschaftlichkeit der Orte bei. Das denkmalgeschützte Gebäude wurde von Claudia und Friedhelm Mohlfeld so herger ichtet, dass 110 Pferde auf 18 Hektar Land betreut werden können. Außerdem bilden sie aus und bieten jungen Leuten vor Ort eine Zukunft.

Kurz vor der Endstation Schafstall, der den Zusammenhalt und Aktionswillen der Dorfeinwohner darstellen sollte, fuhr der blau-weiße Bus von 1953 noch den Paketdienstbetrieb DPD an. 1996 noch Lagerhalle für Getreide, werden heute dort 9000 bis 11.000 Pakete täglich abgefertigt und verteilt. Die Kommission, unter anderem begleitet vom Bomlitzer Bürgermeister Michael Lebid und dem Ersten Kreisrat Oliver Schulze, hörte sich all diese Informationen interessiert an, stellte Nachfragen und verschaffte sich so einen Eindruck. Am Schafstall wurden sie dann von einigen Dorfeinwohnern mit einem kleinen Stehimbiss, Getränken und Informationen über das Gebäude und Vereine und Gruppen der Dörfer empfangen. Am Ende urteilte die Vorsitzende der Kommission, Heike Reßmeyer: „Uns hat die Tour sehr gut gefallen. Der Ort macht einen sehr gepflegten Eindruck, und die Präsentation war völlig anders als in den vier Dörfern, in denen wir bisher waren.“

Die endgültige Entscheidung, wer von den insgesamt acht Teilnehmer-Dörfern der Region Lüneburg zum Landesentscheid zugelassen ist, fällt am 26. Juni im Kreishaus in Rotenburg.